Rathaus Kevelaer Kevelaer 1
Rathaus Kevelaer Kevelaer 2
Rathaus Kevelaer Kevelaer 3
Rathaus Kevelaer Kevelaer 4
Rathaus Kevelaer Kevelaer 5
Kevelaer, 2008
Instandsetzung und Erweiterung des Rathauses in Kevelaer. Begrenzter Realisierungswettbewerb
Wettbewerbserfolg: Anerkennung
Stadt Kevelaer
5,5 Mio. €, 20.460 m³, 6.687 m²
Kompetenzindex: Bestand

 

Entwurfskonzept / Leitidee

Das vorhandene Rathaus stellt mit seiner Baukörpervolumetrie und in Verbindung mit der Ergänzung aus den 80er Jahren eine markante Eigenständigkeit im Kontext der Bebauung dar. Auch wenn aus heutiger Sicht funktionale und formale Bedenken gegenüber dem Bau der 60 er Jahre begründet vorgetragen werden müssen, kann der Bestand doch als Grundlage für die Etablierung eines starken Gebäudes mit Symbolkraft und Charakter, als Rathaus der Stadt Kevelaer, angenommen werden. Mit unserem Vorschlag wollen wir die Identität des Rathauses als herausgehobenes Bauwerk im urbanen Kontext stärken und gleichzeitig die funktionalen und technischen Defizite überwinden.

Das Rathaus bildet mit dem westlich angrenzenden Park eine Einheit: Rathaus und Rathauspark. Dieses Ensemble nimmt die historische Organisation der schmalen und tiefen Grundstücke mit strassenständiger Bebauung und Nutzgarten im rückwärtigen Teil auf, und überführt sie in den Kontext der öffentlichen Bauaufgabe. Rathaus und Rathauspark vorgelagert befindet sich der zentrale Stadtplatz.

Für die Erweiterung des Rathauses inkl. der optionalen Flächen werden keine bestehenden Stellplatzflächen in Anspruch genommen. Die Organisation der PKW und Busparkplätze auf dem Peter-Plümpe –Platz kann erhalten bleiben. Eine gestalterische Überarbeitung des Freiraums mit dem Ziel einer erhöhten Freiraumqualität sollte zu einem späteren Zeitpunkt unter Berücksichtigung der funktionalen Belange der Anrainer und der übergeordneten Aufgaben des Platzes entwickelt werden.

Erschliessung – Zufahrten auf das Grundstück, Ein-Ausgänge, Erschliessung horizontal/ vertikal

Im Süden befindet sich der Haupteingang zum Rathaus. Eine zweigeschossige Eingangshalle bietet Orientierung und führt im Erdgeschoss zum Bürgerservicecenter. Der Eingang der Polizeiwache ist zum Rathauspark orientiert. Die Nordseite dient der Ver- und Entsorgung des Gebäudes. Die öffentliche WC- Einrichtung wird auf die Westseite verlegt und damit einer stärkeren sozialen Kontrolle unterworfen.

Das zentral gelegene Treppenhaus mit Aufzug erschliesst alle Ebenen. Ein zweites Treppenhaus dient der interenen Kommunikation und als zweiter Rettungsweg.

Materialien – Innen Aussen

Die fein gegliederte Schichtigkeit der Fassade mit dem Wechsel von geschlossenen und verglasten Flächen nimmt Elemente der bauplastischen Gestaltung der Natursteinverkleidungen der historischen Fassaden auf. Trotz einer regelmässigen Belichtung der dahinterliegenden Räume entsteht so eine Gliederung der Fassade, die auf der einen Seite Bezug nimmt zur Masstäblichkeit der umliegenden Bebauung und auf der anderen Seite der hervorgehobenen Bedeutung der Bauaufgabe gerecht wird.

Funktionalität

In L- Form wird eine neue Raumschicht vor das vorhandene Gebäude gestellt. Hierdurch wird eine dreibündige Anlage geschaffen, die hohe Flexibilität der Geschossbelegung, und direkte Zuordnung von Dunkelräumen und belichteten Arbeitsräumen ermöglicht.

Ein abgestimmtes Farb- und Lichtkonzept gliedert die Kern- und Servicezonen geschossweise. In den Verkehrsflächen und Besucherwartebereichen besteht Tageslichtbezug mit Ausrichtung zum Rathauspark.

Das Organisationsschema der Verteilung der Abteilungen zeigt eine sinnvolle geschossweise Zuordnung, die bei Bedarf auch leicht verändert werden kann.

Mit der vorgesetzten Raumschicht kann die Sanierung von ca. 50% der bestehenden Fassadenfläche entfallen. Diese Flächen werden Innenflächen und auf die Tragstruktur der Stützen rückgebaut.

In unserem Vorschlag haben wir die optionalen Flächen der Abteilungen

Rechnungsprüfung und Hochbau in der Planung und in der Kostenschätzung berücksichtigt. In Anlehnung an die Einschnitte im 4. OG der Erweiterung können die Einschnitte um das Mass der optionalen Flächen erweitert werden. Aus unserer Sicht besteht bei der vorgestellten Lösung aus wirtschaftlichen Gründen hierzu kein Bedarf.

Konstruktion – Stützweiten, Ausbausystem, Bauhöhen, lichte Höhen

Die vorhandene Tragkonstruktion und Tragstruktur des Bestandsgebäudes bleibt erhalten. Im Bereich der Bestandserschliessung Treppe und Aufzugsschächte werden die nichttragenden Teile rückgebaut und die Geschossdecken geschlossen. Der neue Erschliessungskern 1 wird in die vorhandenen Deckenfelder eingeschnitten.

Der Erweiterungsbau nimmt die Konstruktionsraster des Bestands auf.

Das dem Entwurf zugrundeliegende Brandschutzkonzept sieht vor, auf der Grundlage von 400 m² Nutzungseinheiten, zwei Einheiten je Geschoss zu schaffen die über je einen notwendigen Treppenraum verfügen. Der zweite Rettungsweg führt jeweils über die andere Nutzungseinheit zu einem zweiten Treppenraum. Im 1. und 2. Obergeschoss werden 3 Nutzungseinheiten ausgebildet. Hier werden 2 Nutzungseinheiten in das Haupttreppenhaus geführt. Der zweite Rettungsweg der Nutzungseinheiten im Anbau (1984) führt über die andere Nutzungseinheit zum zweiten Treppenraum.

Aussage zu energieoptimierten Massnahmen

Die Versorgung mit Medien in der Etage erfolgt auf zwei Wegen. 1. vertikale Erschliessung in den Kernzonen, die mit abgehängten Decken ausgestattet sind. 2. horizontale Versorgung an der Fassade. Hierzu wird ein bodenbündiges System unter Beachtung der Anforderungen aus dem vorbeugenden Brandschutz vor die vorhandene Konstruktion auf der Nordostseite, bzw. als integriertes System auf den Fassadenseiten des Neubaus angeordnet.

Die Dachflächen sollen extensiv begrünt werden. Mit dieser Massanhme werden Niederschlagswassermengen und die Erwärmung des Gebäudes über die Dachfläche verringert.

Alle Fassadenseitenerhalten einen aussenliegenden Sonnenschutz. Für die südliche Erweiterungsfläche kann eine Bauteilkühlung eingerichtet werden.

Zur Versorgung der Bauteilkühlung und als Kühlmedium können Erdsonden zum Einsatz kommen, die im Rathauspark eingebracht, mit der Technikzentrale im Untergeschoss des Erweiterungsbaus verbunden werden.